Natrium und Kalium im Blut
Was sagen Natrium- und Kaliumwerte im Blut aus? Erfahren Sie, welche Funktionen sie haben und was Abweichungen bedeuten können.

Arzt und Mitgründer
Auf einen Blick
- Natrium und Kalium sind gelöste Mineralstoffe im Körperwasser, die viele Abläufe im Körper mitsteuern
- Natrium reguliert den Wasserhaushalt und unterstützt die Arbeit von Nerven und Muskeln.
- Kalium spielt eine zentrale Rolle für Muskeln, Nerven und einen stabilen Herzrhythmus.
- Stärkere Abweichungen beeinflussen beim Natrium besonders das Gehirn und beim Kalium besonders das Herz.
Welche Aufgaben haben Natrium und Kalium im Körper?
Natrium und Kalium sind sogenannte Elektrolyte. Das sind Mineralstoffe, die im Körperwasser gelöst sind und dann eine elektrische Ladung tragen. Dadurch können sie viele Abläufe im Körper mitsteuern. Beide Werte werden häufig im Blut gemessen, weil sie dort gut überprüfbar sind und weil schon kleinere Verschiebungen spürbare Auswirkungen haben können.
Natrium befindet sich zum größten Teil außerhalb der Körperzellen, vor allem im Blut und in der Flüssigkeit zwischen den Zellen. Seine wichtigste Aufgabe ist es, den Wasserhaushalt mit zu regulieren. Natrium „zieht“ Wasser an und hilft so mit, dass die Flüssigkeitsmenge im Blut und im Gewebe in einem passenden Gleichgewicht bleibt. Außerdem ist Natrium wichtig dafür, dass Nerven und Muskeln normal arbeiten können.
Kalium liegt dagegen überwiegend innerhalb der Körperzellen. Es ist besonders wichtig für die normale Funktion von Zellen, Nerven und Muskeln. Dazu gehört auch, dass Muskeln sich gut anspannen und wieder entspannen können und dass elektrische Signale im Körper zuverlässig weitergeleitet werden. Weil auch das Herz ein Muskel ist und auf elektrische Impulse angewiesen ist, spielt ein ausgeglichener Kaliumwert ebenfalls eine große Rolle für einen stabilen Herzrhythmus.
Damit Natrium und Kalium in einem gesunden Bereich bleiben, steuert der Körper ihre Menge sehr genau. Vor allem die Nieren sorgen dafür, dass je nach Bedarf mehr oder weniger über den Urin ausgeschieden wird. Auch Hormone sind daran beteiligt, indem sie beeinflussen, ob Natrium eher zurückgehalten und Kalium eher ausgeschieden wird.
Welche Werte gelten als normal?
Gemessen werden Natrium und Kalium meist aus einer Blutprobe aus der Armvene. Im Labor wird daraus in der Regel Serum oder Plasma gewonnen und dann die Konzentration der beiden Elektrolyte bestimmt. Das Ergebnis wird üblicherweise in mmol/L ausgewiesen.
Viele Labore nutzen dafür Messverfahren mit sogenannten ionenselektiven Elektroden, die speziell auf die elektrisch geladenen Teilchen reagieren. Solche Methoden können auch wichtig sein, weil bestimmte Proben- oder Messbedingungen einzelne Ergebnisse verfälschen können, etwa wenn die Blutprobe bei der Abnahme oder beim Transport beschädigt wird und rote Blutkörperchen zerfallen. Das kann den Kaliumwert künstlich zu hoch erscheinen lassen.

Achtung
Wird der Arm bei der Blutabnahme zu lange gestaut, kann der Kaliumwert fälschlich erhöht gemessen werden.
Welche Werte als „normal“ gelten, hängt immer auch vom Labor, der Messmethode und teils vom Alter ab. Auf dem Befund steht deshalb fast immer ein Referenzbereich, an dem Sie Ihren Wert direkt vergleichen können. Häufig liegen die Referenzbereiche bei Erwachsenen für Natrium ungefähr bei 135 bis 145 mmol/L. Für Kalium liegt der Bereich in vielen Laboren etwa zwischen 3,6 und 5,2 mmol/L. Wichtig ist außerdem: Schon kleinere Abweichungen können je nach Situation relevant sein, gleichzeitig bedeutet ein einzelner Wert außerhalb des Referenzbereichs nicht automatisch, dass eine bestimmte Krankheit vorliegt. Entscheidend ist immer der Zusammenhang mit den übrigen Laborwerten und dem körperlichen Zustand.
Übersicht
| Probe | Blutprobe aus der Armvene |
| Material im Labor | Meist Serum oder Plasma |
| Einheit | mmol/L |
| Häufige Messmethode | Ionenselektive Elektroden |
| Natrium-Normwert (Erwachsene) | Ca. 135–145 mmol/L |
| Kalium-Normwert (Erwachsene) | Ca. 3,6–5,2 mmol/L |
Wann sind Abweichungen gefährlich?
Gefährlich werden Abweichungen vor allem dann, wenn sie deutlich sind, schnell entstehen oder Beschwerden auslösen. Beim Natrium betrifft das Risiko besonders das Gehirn. Sinkt Natrium rasch oder stark, kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, zunehmender Verwirrtheit, starker Benommenheit bis hin zu Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen kommen. Solche Zeichen gelten als Notfall, weil das Gehirn sehr empfindlich auf plötzliche Verschiebungen zwischen Wasser und gelösten Teilchen reagiert. Auch ein deutlich zu hoher Natriumwert kann das Nervensystem belasten, dann stehen häufig starker Durst, Unruhe, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und in schweren Fällen ebenfalls Krampfanfälle im Vordergrund. Bei Natrium ist außerdem wichtig, dass nicht nur der Zahlenwert zählt, sondern auch, ob die Veränderung eher akut oder über Tage entstanden ist, weil sich der Körper bei langsamen Veränderungen teilweise anpassen kann.
Beim Kalium liegt die besondere Gefahr am Herzen, weil Kalium die elektrischen Signale im Herzmuskel mitsteuert. Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Kaliumwerte können den Herzrhythmus stören, manchmal ohne dass man es sofort merkt. Warnzeichen können Herzstolpern, ein unregelmäßiger Puls, ausgeprägte Schwäche, Kribbeln oder Muskelschwäche sein. Kritisch wird es vor allem bei deutlich erhöhtem Kalium, weil dann gefährliche Rhythmusstörungen auftreten können. Deshalb wird bei Verdacht auf stärkere Kaliumverschiebungen oft rasch ein EKG geschrieben, um typische Veränderungen früh zu erkennen.
Info
Schnell entstehende Abweichungen von Natrium oder Kalium können das Gehirn oder den Herzrhythmus gefährlich belasten.
Bei der ärztlichen Abklärung geht es zunächst darum, das Laborergebnis einzuordnen und mögliche Messfehler auszuschließen. Gerade beim Kalium wird häufig geprüft, ob die Blutprobe eventuell beim Abnehmen oder Transport beschädigt wurde, weil dann Kalium aus Blutzellen austreten und der Wert „künstlich“ zu hoch wirken kann. Anschließend wird beurteilt, ob Beschwerden vorliegen, wie schnell die Abweichung entstanden sein könnte und welche Begleitwerte im Labor auffällig sind. Typisch ist auch der Blick auf die Nierenfunktion, weil die Nieren Natrium und Kalium wesentlich mitregeln. Zusätzlich wird geprüft, ob Medikamente eine Rolle spielen können, weil einige Mittel den Natrium- oder Kaliumhaushalt deutlich beeinflussen. Bei stärkeren Abweichungen oder passenden Beschwerden gehört ein EKG häufig zur Abklärung, weil es Hinweise auf eine Belastung des Herzens geben kann.
Was anschließend medizinisch passiert, hängt von Ursache, Ausprägung und Beschwerden ab. Grundsätzlich wird dabei zwischen Situationen unterschieden, in denen vor allem die zugrunde liegende Ursache geklärt werden muss, und Situationen, in denen zusätzlich eine rasche Stabilisierung nötig ist, etwa bei Krampfanfällen durch starkes, symptomatisches Natriumungleichgewicht oder bei gefährlichen EKG-Veränderungen durch deutlich erhöhtes Kalium. In solchen Fällen steht im Vordergrund, Komplikationen am Gehirn oder am Herzen zu verhindern und die Werte kontrolliert zu verändern, weil zu schnelle Korrekturen – besonders bei Natrium – selbst Risiken bergen können.
Liegt Ihnen ein Laborbefund vor?
Natrium- und Kaliumwerte werden in diesem Artikel nur allgemein betrachtet.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren eigenen Laborbefund zu verstehen, können Sie den Befund hier anonym hochladen und im Zusammenhang verständlich erklären lassen.
Zusammenfassung
Natrium und Kalium sind gelöste Mineralstoffe im Körperwasser, die viele Abläufe steuern und deshalb häufig im Blut gemessen werden. Natrium hilft vor allem dabei, den Wasserhaushalt zu regulieren, und Kalium ist wichtig für Nerven, Muskeln und einen stabilen Herzrhythmus, wobei schon kleinere Abweichungen je nach Situation eine Rolle spielen können und Werte immer im Zusammenhang betrachtet werden. Zu hohe oder zu niedrige Werte entstehen oft durch ein Ungleichgewicht von Wasser und Mineralstoffen, durch Verluste, Nierenprobleme oder Medikamente und können je nach Stärke und Geschwindigkeit der Veränderung Beschwerden auslösen, wobei beim Natrium besonders das Gehirn und beim Kalium besonders das Herz empfindlich reagieren.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen
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