Blutentnahme: Ablauf, Vorbereitung und was dabei passieren kann
Steht bei dir eine Blutentnahme an und du bist unsicher, was genau gemacht wird? Hier erfährst du, wie der Ablauf typischerweise ist, was du vorher beachten kannst und was Auffälligkeiten bedeuten können.

Arzt und Mitgründer
Auf einen Blick
- Eine Blutentnahme liefert Hinweise auf Entzündung, Blutarmut und Organfunktionen, ersetzt aber nicht das Gesamtbild.
- Mehrere Röhrchen sind meist technisch nötig, weil Serum, Plasma oder Vollblut für unterschiedliche Tests gebraucht werden.
- Der Ablauf ist oft kurz: Identitätscheck, Stauen, Desinfektion, Stechen, Röhrchen füllen, Druck, Verband und kurze Kontrolle.
- Neben dem Pieksen kann ein kleiner Bluterguss oder Schwindel auftreten
Warum Blut abgenommen wird
Blut wird abgenommen, weil es schnell Hinweise auf viele Vorgänge im Körper geben kann – zum Beispiel darauf, ob eine Entzündung vorliegt, ob Blutarmut möglich ist, wie Nieren oder Leber arbeiten oder ob bestimmte Stoffe (etwa Zucker, Fette, Hormone oder Elektrolyte) im erwarteten Bereich liegen. Manchmal geht es auch darum, Werte im Verlauf zu vergleichen: Hat sich etwas seit der letzten Kontrolle verändert, wirkt eine Behandlung vermutlich, oder braucht es weitere Abklärung? Wichtig ist dabei: Blutwerte sind Bausteine, keine fertige Antwort. Ein Wert kann aus vielen Gründen abweichen (auch durch Stress, Flüssigkeitsmangel, Tageszeit oder eine vorübergehende Infektion), und umgekehrt kann ein „unauffälliger“ Befund nicht jede Erkrankung sicher ausschließen. Ärztinnen und Ärzte schauen deshalb nicht nur auf einzelne Zahlen, sondern auf das Gesamtbild aus Beschwerden, Untersuchung, Vorerkrankungen und den Laborwerten zusammen.
Merke
Ein einzelner Blutwert ist selten „die Diagnose“, sondern wird fast immer zusammen mit deinen Beschwerden und der Untersuchung eingeordnet.
Dass oft mehrere Röhrchen gefüllt werden, bedeutet nicht automatisch, dass „besonders viel“ getestet wird – es hat vor allem technische Gründe. Unterschiedliche Untersuchungen brauchen nämlich unterschiedliches Probenmaterial: Manche Tests werden aus Serum gemacht (das ist der flüssige Anteil, nachdem Blut geronnen ist), andere aus Plasma (flüssiger Anteil mit Gerinnungshemmern) oder aus Vollblut, in dem die Blutzellen enthalten sind. Deshalb enthalten die Röhrchen je nach Zweck verschiedene Zusätze, die zum Beispiel das Gerinnen verhindern oder bestimmte Bestandteile stabil halten. Zusätzlich kann es sein, dass ein Labor mehrere Bereiche abdeckt (z. B. Blutbild, Gerinnung, Chemie, Hormone), die jeweils eigene Anforderungen an das Röhrchen haben. Das Ziel dahinter ist, dass die Ergebnisse möglichst verlässlich sind und du nicht unnötig ein zweites Mal zur Blutentnahme kommen musst.
So läuft die Blutentnahme ab
Meist wirst du zuerst nach deinem Namen und Geburtsdatum gefragt, damit Probe und Auftrag sicher zusammenpassen. Dann suchst du dir eine bequeme Position – häufig sitzend mit abgestütztem Arm; wenn dir bei Nadeln schnell schwindelig wird oder du schon einmal ohnmächtig geworden bist, kann auch liegend abgenommen werden. Die Fachperson tastet eine geeignete Vene (oft in der Ellenbeuge) und legt ein Stauband an, damit die Vene besser sichtbar und fühlbar wird. Die Haut wird gründlich desinfiziert und kurz trocknen gelassen. Danach wird die Nadel in die Vene eingeführt und die Röhrchen werden nacheinander gefüllt; einige Röhrchen werden anschließend vorsichtig gekippt, damit sich Zusätze im Röhrchen gut mit dem Blut vermischen und die Probe im Labor zuverlässig ausgewertet werden kann.
Wenn genug Blut abgenommen ist, wird das Stauband wieder gelöst, die Nadel entfernt und du bekommst ein Tupferchen oder einen kleinen Verband. Typisch ist, dass du für einen Moment fest auf die Einstichstelle drücken sollst, damit es nicht nachblutet und sich seltener ein Bluterguss bildet. Danach wird meist kurz kontrolliert, ob die Stelle trocken bleibt, bevor du gehen kannst. In manchen Situationen läuft die Blutentnahme etwas anders ab: Im Krankenhaus kann Blut zum Beispiel über einen bereits liegenden venösen Zugang (eine „Braunüle“) abgenommen werden, oder es wird eine andere Vene am Arm oder am Handrücken genutzt, wenn die Venen in der Ellenbeuge schwer zu finden sind. Für dich fühlt sich das Vorgehen dann etwas anders an, die grundlegenden Schritte – hygienisches Arbeiten, kurze Entnahme, Druck und Verband am Ende – bleiben aber ähnlich.

Vorbereitung: Essen, Trinken, Medikamente
Ob du vor einer Blutentnahme nüchtern sein musst, hängt davon ab, welche Werte bestimmt werden: Für manche Untersuchungen (zum Beispiel Nüchternglukose oder bestimmte Blutfette) wird häufig empfohlen, mehrere Stunden vorher nichts zu essen, damit das Ergebnis besser vergleichbar ist. Für viele andere Blutwerte ist Nüchternheit dagegen nicht zwingend nötig – deshalb ist es völlig okay, wenn du bei der Terminvergabe oder in der Praxis kurz nachfragst, ob du vorher essen darfst. Trinken ist meist sogar hilfreich: Wasser (und oft auch ungesüßter Tee) kann es leichter machen, eine Vene zu finden, weil du dann nicht „ausgetrocknet“ bist. Alkohol, sehr fettiges Essen oder intensive körperliche Belastung kurz davor können einzelne Werte beeinflussen – wenn du unsicher bist, sag einfach offen, was du gegessen/getrunken hast und wann.
Bei Medikamenten gilt: Setz nichts eigenständig ab, nur weil eine Blutentnahme ansteht – aber sprich es an, wenn du regelmäßig etwas einnimmst. Manche Bluttests hängen bewusst mit Medikamenten zusammen (z. B. Spiegelbestimmungen), und dann ist der Zeitpunkt der Einnahme wichtig; auch bei Schilddrüsenmedikamenten oder bestimmten Hormonen kann es je nach Fragestellung sinnvoll sein, die Tablette erst nach der Blutabnahme zu nehmen. Wenn du Blutverdünner nimmst oder eine Blutungsneigung hast, ist das ebenfalls eine wichtige Info für das Team – nicht unbedingt, weil die Blutentnahme dann „gefährlich“ ist, sondern weil man die Einstichstelle danach oft besonders sorgfältig komprimiert und etwas länger beobachtet. Falls du sehr aufgeregt bist oder schon einmal Kreislaufprobleme hattest: Sag das vorher kurz, dann kann die Blutentnahme zum Beispiel im Liegen gemacht werden und du bekommst danach noch einen Moment Ruhe, bis du dich wieder sicher fühlst.
| Frage vorab | Warum das wichtig sein kann |
|---|---|
| Muss ich nüchtern sein (und wie viele Stunden)? | Einige Werte (z. B. Zucker/Blutfette) lassen sich nur dann gut vergleichen, wenn vorher nichts gegessen wurde. |
| Darf ich Wasser oder ungesüßten Tee trinken? | Ausreichend Flüssigkeit kann die Blutentnahme erleichtern, und kleine Mengen sind oft auch bei „nüchtern“ erlaubt. |
| Wann soll ich meine regelmäßigen Medikamente nehmen? | Bei manchen Tests ist der Einnahmezeitpunkt entscheidend (z. B. Spiegelbestimmungen) oder die Einnahme wird gezielt nach der Blutabnahme geplant. |
Häufige Beschwerden und kleine Risiken
Häufige Beschwerden und kleine Risiken bei einer Blutentnahme sind vor allem lokale Reaktionen an der Einstichstelle und Kreislaufreaktionen – und in den allermeisten Fällen sind sie harmlos und gehen von selbst wieder weg. Während des Stichs spürst du oft ein kurzes Pieksen oder Brennen, danach eher Druck. Ein kleiner Bluterguss (blauer Fleck) entsteht, wenn ein wenig Blut ins Gewebe austritt; manchmal wird die Stelle auch kurz warm, spannt oder ist ein bis zwei Tage empfindlich. Manche Menschen werden schwindelig, bekommen weiche Knie oder Übelkeit – das ist häufig eine sogenannte vasovagale Reaktion (eine Reflexantwort des Kreislaufs auf Stress, Angst, Schmerzen oder den Anblick von Blut). Das kann auch dann passieren, wenn „alles richtig“ gemacht wird, und fühlt sich unangenehm an, ist aber meist schnell wieder vorbei, besonders wenn du danach kurz sitzen oder liegen bleiben kannst.
Seltener kommen Probleme vor, bei denen es sinnvoll ist, genauer hinzuschauen: Wenn es nach der Blutentnahme länger nachblutet, hängt das oft mit der Einstichstelle, einer sehr oberflächlichen Vene oder mit Medikamenten zusammen, die die Blutgerinnung beeinflussen – dann kann es helfen, wenn die Stelle länger ruhig und fest komprimiert wird, bevor du den Arm wieder normal belastest. Ebenfalls eher selten ist ein größerer Bluterguss (Hämatom), der sichtbar anschwillt und stärker schmerzt; gelegentlich kann auch eine Reizung von Nerven in der Nähe der Vene auftreten, was sich als „elektrisierender“ Schmerz, Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Unterarm oder in der Hand bemerkbar machen kann. Sehr selten sind Infektionen an der Einstichstelle, weil hygienisch gearbeitet und die Haut desinfiziert wird – möglich wären dann zunehmende Rötung, Wärme, pochender Schmerz oder Eiter. Solche Zeichen entwickeln sich typischerweise nicht sofort, sondern eher in den Stunden bis Tagen danach; wenn du merkst, dass Beschwerden klar zunehmen statt abzuklingen, ist es sinnvoll, das zeitnah in der Praxis oder im ärztlichen Bereitschaftsdienst abklären zu lassen.
Wenn es schwierig wird
Wenn es bei der Blutentnahme schwierig wird, liegt das meistens nicht daran, dass „mit dir etwas nicht stimmt“, sondern an ganz praktischen Dingen: Manche Venen sind klein, tief liegend, rollen beim Tasten weg oder sind durch Kälte, Stress oder Flüssigkeitsmangel weniger gut gefüllt. Dann kann es passieren, dass mehrfach angesetzt werden muss oder dass die Fachperson die Stelle wechselt (zum Beispiel von der Ellenbeuge an den Unterarm oder Handrücken). Für dich ist das vor allem eins: unangenehm und frustrierend. Du darfst in so einer Situation klar sagen, was du schon erlebt hast („bei mir ist es oft schwer“ oder „bitte nur wenn möglich mit erfahrenen Händen“) und auch, was dir hilft – zum Beispiel, wenn dein Arm warm ist, du bequem sitzt oder lieber liegst. Wärme kann die Gefäße etwas erweitern; auch ausreichend zu trinken (wenn du nicht nüchtern sein musst) kann manchmal dazu beitragen, dass eine Vene leichter zu finden ist.
Tipp
Wenn du weißt, dass es bei dir oft schwierig ist, sag das gleich zu Beginn – das ist völlig normal und hilft dem Team, die Entnahme für dich möglichst stressarm zu planen.
Auch Angst vor Nadeln oder ein Ohnmachtsgefühl sind bei Blutentnahmen häufig – oft steckt eine vasovagale Reaktion dahinter: Der Kreislauf reagiert reflexartig auf Anspannung, Schmerz oder den Anblick von Blut und der Blutdruck kann kurz absacken. Typische Warnzeichen sind plötzliches Schwitzen, Übelkeit, Blässe, „Wattegefühl“, Flimmern vor den Augen oder ein Gefühl von wegkippender Kraft. Das Wichtigste ist dann, dass du es sofort sagst, bevor es „zu spät“ ist – das Team kann dich hinlegen, den Arm anders lagern und dir einen Moment geben, bis es wieder stabil ist. Viele Menschen finden es entlastend, wenn sie beim Stechen wegschauen dürfen, nicht jeden Schritt mitbekommen oder sich währenddessen auf ruhiges Atmen und einen festen Punkt im Raum konzentrieren. Wenn du schon einmal ohnmächtig geworden bist, ist es völlig okay, die Blutentnahme von Anfang an im Liegen zu machen.
Hast du schon einen Laborbefund bekommen und fragst dich, was die Werte bedeuten?
In diesem Artikel geht es nur allgemein darum, wie eine Blutentnahme abläuft und was dabei typisch sein kann. Wenn du deinen Befund besser verstehen willst, kannst du ihn anonym hochladen und dir die wichtigsten Punkte in verständlicher Sprache erklären lassen.
Zusammenfassung
Bei einer Blutentnahme können schnell viele Informationen über Vorgänge im Körper gesammelt werden, aber einzelne Werte sind nur Bausteine. Mehrere Röhrchen bedeuten meist nicht „mehr Krankheit“, sondern unterschiedliche Laboranforderungen an das Probenmaterial. Du kannst dich oft durch kurzes Nachfragen zur Nüchternheit und durch ausreichendes Trinken (wenn erlaubt) gut vorbereiten, ohne Medikamente eigenständig zu verändern. Kleine Beschwerden wie Druck, blauer Fleck oder Kreislaufreaktionen sind häufig und meist harmlos, während klar zunehmende Beschwerden eher zeitnah angeschaut werden sollten.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen
- World Health Organization. WHO guidelines on drawing blood: best practices in phlebotomy [Internet]. Geneva: World Health Organization; 2010 [zitiert 11. Juni 2026].
Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK138668/
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Verfügbar unter: https://edoc.rki.de/handle/176904/216
- Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO). Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2011;54(9-10):1135-1144.
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Verfügbar unter: https://www.msdmanuals.com/de/profi/intensivmedizin/durchf%C3%BChrung-von-peripheren-vaskul%C3%A4ren-eingriffen/durchf%C3%BChrung-einer-ven%C3%B6sen-blutentnahme
- Universitätsklinikum Frankfurt, Zentrallabor. Blutentnahme [Internet]. Frankfurt am Main: Universitätsklinikum Frankfurt; o. J. [zitiert 11. Juni 2026].
Verfügbar unter: https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-der-inneren-medizin/zentrallabor/einsenderinfos/praeanalytische-hinweise/blutentnahme
- Centers for Disease Control and Prevention. IV: Recommendations [Internet]. Atlanta (GA): CDC; o. J. [zitiert 11. Juni 2026].
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